Entnahmestrategien optimieren – bessere Rente dank CAPE Ratio

Entnahmestrategien optimieren – bessere Rente dank CAPE Ratio
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Nach der bisherigen Kritik an der 4% Regel, untersuchen wir heute wie eine Entnahme von 4% und mehr doch gelingen kann. Ich habe mir in den letzten Tagen Gedanken gemacht wie dieser Beitrag möglichst gut verständlich rüberkommen kann. Ich hoffe es ist mir gelungen. Beginnen wir mit einer allgemeinen Erklärung, wie man die sichere Entnahmerate mittels historischer Simulation bestimmt. Denn die Grundlagen sind wichtig, um den darauf aufbauenden Teil gut nachzuvollziehen.

Wie funktioniert eigentlich eine historische Simulation?

Eine historische Simulation basiert auf den in der Vergangenheit tatsächlich beobachteten Kursverläufen. Man simuliert z.B. wieviel ein Privatier, der an einem bestimmten Tag in der Vergangenheit in Rente gegangen ist, pro Monat von seinem Portfolio maximal entnehmen kann. Dies lässt sich rückblickend relativ leicht berechnen, da aus heutiger Sicht der Verlauf der Börsenkurse ab Start der Entnahmen bekannt ist. Nun wird dieses Verfahren für alle weiteren möglichen Starttermine wiederholt. Am Ende erhält man eine größere Anzahl an Entnahmeraten, die jeweils zu unterschiedlichen Start-Zeitpunkten in der Vergangenheit funktioniert hätten. Diese sind in Abhängigkeit vom Verlauf der Renditen während der Entnahmephase unterschiedlich hoch (Sequence of Return Risk). Wer beispielsweise im September 1929, also kurz vor Ausbruch der Weltwirtschaftskrise, mit einer 60-jährigen Entnahme gestartet wäre, für den wäre bei 100% Aktienquote und Inflationsanpassung eine Entnahmerate von nur 2,6% möglich gewesen. Wäre man stattdessen nur 2 Jahre später, im September 1931 gestartet, dann wären 5,1% p.a. sicher gewesen. Denn die Kurse haben sich in den 2 Jahren nach Ausbruch der Krise ungefähr halbiert. Dieses Ereignis auszulassen hat somit einen sehr positiven Einfluss auf die Entnahmerate.

Ein heftiger Börseneinbruch direkt zu Beginn der Entnahmephase ist der Alptraum eines jeden Privatiers

Wir sind alle keine Propheten. Zu Beginn der Entnahmephase wissen wir nicht wie sich die Kurse künftig entwickeln werden. Wer sich an der Vergangenheit orientieren will, der errechnet im Rahmen einer historischen Simulation zuerst alle möglichen Entnahmeraten, die zu den unterschiedlichen Start-Zeitpunkten historisch betrachtet funktioniert hätten. Anschließend kommt der persönliche Risikoappetit ins Spiel. Wer auf Nummer sicher gehen will, der wählt für sich die geringste, historisch beobachtete Entnahmerate. Wer dagegen risikofreudiger ist, der wählt z.B. eine Entnahmerate über der 95% oder sogar 99% aller historischen Raten liegen. An dieser Stelle sei auch angemerkt, dass die verwendeten historischen Daten das Ergebnis stark beeinflussen. Sobald die Weltwirtschaftskrise enthalten ist, erzeugt ein Entnahme-Start im September 1929 immer das schlechteste Ergebnis. An dieser Stelle noch mal die sicheren Entnahmeraten nach Länge der geplanten Entnahmen und Pleitewahrscheinlichkeit:

 

Aber macht es Sinn immer vom Worst-Case auszugehen?

Ein Crash unmittelbar nach Start der Entnahmen ist das Ereignis, gegen das wir uns mit einer geringen Entnahmerate absichern wollen. Aber was, wenn man mit einer geringen Rate gestartet ist und es kam kurzfristig doch kein Crash? Dann hat man sich rückblickend für eine zu geringe Entnahmerate entschieden und lebt unter seinen Möglichkeiten.

Was wäre, wenn es eine Möglichkeit gäbe besser einschätzen zu können ob aus heutiger Sicht der Worst Case unmittelbar bevorsteht? Wenn dies gelänge, dann könnte man sich von Anfang an für eine höhere Entnahmerate entscheiden. Und tatsächlich ist dies möglich!

Die sichere Entnahmerate hängt stark von der Marktbewertung zum Start der Entnahmephase ab

Wie bereits ausgeführt, berechne ich im Rahmen der historischen Simulation für jeden Start-Monat eine sichere Entnahmerate. Basierend auf Daten ab Januar 1900 erhalte ich so 1.440 Entnahmeraten. Das folgende Diagramm bildet diese mit der dazugehörigen Marktbewertung zum Start der Entnahmephase ab. Die Marktbewertung stelle ich dabei über das CAPE Ratio dar. Das CAPE Ratio ist dem populären KGV (Kurs-Gewinn Verhältnis) sehr ähnlich, unterscheidet sich aber darin, dass nicht der aktuelle Gewinn sondern der durchschnittliche Gewinn der letzten 10 Jahre in die Kennzahl einfließt. Dadurch ist das CAPE Ratio insgesamt weniger anfällig für Sondereffekte. Ein CAPE Ratio von z.B. 10 sagt aus, dass der Markt derzeitig günstig ist. Ein Ratio von 30 steht für einen teuer bewerteten Markt. Weitere Informationen zum CAPE-Ratio findest Du z.B. hier.

Das Ergebnis ist, wie ich finde, auf den ersten Blick beeindruckend. Denn man erkennt bereits mit bloßem Auge den negativen Zusammenhang: je höher das CAPE Ratio, und damit auch die Marktbewertung, desto geringer die sichere Entnahmerate. Das hängt mit der bekannten Regression zum Mittelwert zusammen. Denn allgemein gilt, je höher die Marktbewertung desto größer die Wahrscheinlichkeit einer Korrektur. Und Korrekturen zu Beginn der Entnahmephase wollen wir ja, wie oben beschrieben, vermeiden. Daher ist es nur logisch, dass die sichere Entnahmerate bei hohen Marktbewertungen tendenziell geringer ist.

Trotz des gut sichtbaren Zusammenhangs, bleibt das Detailbild aber weiter diffus. Denn das CAPE Ratio ist nur eine Indikation, aber niemals ein zu 100% zuverlässiger Indikator. Für welche Entnahmerate soll man sich also bei gegebenem CAPE Ratio entscheiden? Dieses Problem löse ich, indem ich an den unteren Rand der Punktewolke eine Kurve lege, die die jeweils geringste Entnahmerate je Cape Ratio abbildet.

An dieser Stelle folgt eine faszinierende Entdeckung: die abgetragene Kurve lässt sich erstaunlich gut durch folgende Funktion beschreiben:

Die exakt berechnete Funktion sieht natürlich nicht ganz so schön aus (0,1665*Cape^-0,518), ich konnte es mir jedoch nicht verkneifen einen Bezug zur 4% Regel herzustellen. Gute Konzepte müssen leicht verständlich und einprägsam sein, sonst werden diese nicht angenommen.

Falls sich jemand fragt wie ich diese Formel aus 0,1665*Cape^-0,518 herleite: ich habe die Werte zuerst auf 0,16 und -0,5 gerundet und anschließend folgende Rechenregeln angewandt:

Mit dieser Formel wird die sichere Entnahmerate in Abhängigkeit von der Marktbewertung ermittelt. In Zeiten höherer Bewertung und damit auch höherer Crash-Gefahr ist die sichere Entnahmerate geringer (Beispiel: CAPE = 36 ergibt SER = 2,66%). Wer dagegen nach einem Crash zu einer geringeren Bewertung in Rente geht, der kann sich eine deutlich höhere Entnahmerate leisten (Beispiel: CAPE = 9 ergibt SER = 5,33%). Die absoluten Beträge unterscheiden sich natürlich weniger. Der langfristige Durchschnittswert des CAPE Ratio liegt übrigens bei ca. 16. Daraus ergibt sich dann auch eine durchschnittliche sichere Entnahmerate von 4%. Erstaunlich! Die folgende Grafik zeigt noch einmal die Punktewolke, jetzt aber mit der Linie gemäß der neuen Funktion:

Nur wenige sichere Entnahmeraten / Punkte liegen unterhalb der Funktionslinie. Das sind die Momente, in denen uns die neue Formel eine Entnahmerate geliefert hätte, die zu hoch gewesen und damit gescheitert wäre. Mal wieder ist die Weltwirtschaftskrise in 1929 dafür verantwortlich. Ohne dieses Ereignis zu berücksichtigen (Daten ab 1970), liegt kein einziger Punkt mehr unter der Linie. Das heisst die Regel hätte in der Vergangenheit niemals versagt. Wer auch für ein Ereignis wie die Weltwirtschaftskrise gewappnet sein will, der muss dagegen die 16% im Zähler durch 14% ersetzen. Damit fährt man dann wirklich super sicher.

Beispiel: Welche Entnahmerate wäre hier und jetzt möglich?

Im Folgenden wird die Anwendung der neuen Regel an einem Beispiel verdeutlicht. Gehen wir von einem Investor mit folgendem Portfolio aus: 75% MSCI World und 25% MSCI Emerging Markets. Im ersten Schritt ist das durchschnittliche Portfolio CAPE zu ermitteln. Doch wie erfährt man das aktuelle CAPE Ratio für diese beiden Indizes? Dafür gibt es einige Quellen im Internet, die man als Anwender dieser Strategie kennen sollte. Und zwar empfehle ich für den amerikanischen Markt die persönliche Internetseite von Nobelpreisträger Robert Shiller, dem Erfinder des CAPE Ratios. Für alle anderen Märkte gestaltet sich die Suche schwieriger. Auf der Internetseite des deutschen Asset Managers „Star Capital“ findet man die gesuchte Kennzahl z.B. auch für andere Länder. Gemäß dieser Quelle liegt per 31.12.2019 das CAPE Ratio für „entwickelte Märkte“ bei 25,7. Die „Entwicklungsmärkte“ haben dagegen eine Bewertung von nur 15,8. Das gewichtete Portfolio CAPE liegt demnach bei 25% * 15,8 + 75% * 25,7 = 23,23. Wir rechnen: 16% / Wurzel (23,23) = 3,32%. Dementsprechend wäre es möglich per heute mit Entnahmen von 3,32% des aktuellen Portfoliowerts zu beginnen. Die Entnahmestrategie sieht außerdem vor, dass analog zur klassischen 4% Regel, der Betrag regelmäßig an die Entwicklung der Inflation angepasst wird. Mit dieser Regel laufen wir also schon deutlich weniger Gefahr, uns für den worst-case zu wappnen, obwohl ein solches Vorgehen nicht notwendig ist. Das führt über alle möglichen Return-Pfade zu einer durchschnittlichen Entnahmerate i.H.v. 4,2%, was deutlich über der bisherigen sicheren Entnahmerate i.H.v. 2,6% liegt. Aber eben nur im Durchschnitt.

Wie schneidet die neue Entnahmeregel im Vergleich zur 4%-Regel ab?

Wie wir bisher gesehen haben, ermöglicht uns der zusätzliche Einbezug des CAPE Ratios die gegenwärtige Situation besser einzuschätzen. Doch wieviel besser ist die Strategie wirklich? Wie kann man allgemein Entnahmestrategien miteinander vergleichen? Dazu habe ich mir folgende Kriterien überlegt:

1) Pleite-Wahrscheinlichkeit – wie oft kommt es vor, dass das Vermögen vor Ende der geplanten Entnahmeperiode aufgebraucht ist?

2) Summe der Entnahmen – welcher Betrag, gemessen am heutigen Preisniveau, wird insgesamt über den kompletten Entnahmezeitraum vom Depot entnommen?

3) Schwankungsbreite der Entnahmen – bei manchen Entnahmestrategien kommt es während der Entnahmephase zu sich im Zeitablauf verändernden Entnahmebeträgen. Dies trifft hier nicht zu, aber der guten Ordnung halber und für spätere Artikel nenne ich das Kriterium schon mal.

4) erwartetes Endkapital – wieviel Kapital ist am Ende der Entnahmen noch übrig? Diese Frage kann für alle diejenigen relevant sein, die ihren Nachkommen gerne etwas hinterlassen möchten.

Bevor ich den Vergleich starte noch ein kurzer Hinweis: das Benchmarking erfolgt unter Verwendung der realen S&P500 TR Kursentwicklung von 1900 – 2019.

Kommen wir zunächst zur Pleitewahrscheinlichkeit. Dass die 4%-Regel nicht immer sicher ist, habe ich bereits ausführlich dargelegt. Aber wie sicher ist die 4% Regel im Vergleich zu der hier vorgestellten Regel? Schauen wir uns dazu den folgenden Chart an, der die Pleitewahrscheinlichkeit in Abhängigkeit von der Dauer der Entnahmeperiode darstellt:

Man sieht sehr gut, wie die Pleitewahrscheinlichkeit der 4%-Regel ab einer Entnahmedauer von 180 Monaten (15 Jahren) anfängt sich von 0% abzuheben. Die neue CAPE Regel mit einem Faktor von 16% im Zähler ist dagegen bis 380 Monate (gute 30 Jahre) völlig sicher. Und auch danach ist die Pleitewahrscheinlichkeit immer geringer als die der 4% Regel. Wer für eine Entnahmedauer von 40 Jahren ein sicheres Gefühl haben will, der sollte den Faktor auf 15% absenken. Mit 14% besteht historisch betrachtet sogar bis 60 Jahre keinerlei Risiko (Linie kaum sichtbar).

Zwischenstand: 1:0 CAPE vs 4% Regel

Als nächstes der Vergleich der Summen der Entnahmen. Bei der neuen CAPE basierte Regel hängt die Summe der Entnahmen stark vom CAPE Ratio zu Beginn der Entnahmen ab. Für den Vergleich stelle ich auf die mittlere Entnahmerate der CAPE Regel ab, welche mit einem Faktor von 16% bei 4,2% liegt. Da der Wert über 4% liegt, ist auch die erwartete Summe der Entnahmen entsprechend höher. Da die CAPE Regel für einen Zeitraum bis 30 Jahre bisher nie versagt hat, wäre es sogar korrekter diese mit der sicheren Entnahmerate für 30-Jahre zu vergleichen. Die liegt bei 2,86% (siehe Chart oben). Für das gleiche Risiko darf man mit der CAPE Regel also das ca. 1,5-fache an Entnahmen erwarten. Wow!

Zwischenstand: 2:0 CAPE vs 4% Regel

Die nun folgende Analyse der Schwankungsbreite entfällt, da die hier betrachteten Entnahmestrategien alle einen konstanten Entnahmebetrag liefern. Bei der CAPE Regel hängt dieser zwar vom CAPE-Ratio zum Start der Entnahmen ab. Ist die Entnahmerate jedoch einmal bestimmt, bleibt sie im Zeitablauf konstant. Daher in dieser Kategorie ein Unentschieden.

Zwischenstand: 2:0 CAPE vs 4% Regel

Last but not least das Endvermögen. Hierfür habe ich mein Simulationstool angeworfen, und die Endstände für Laufzeiten von 30,40,50 und 60 Jahren bestimmt. Die folgende Tabelle zeigt das Ergebnis als Vielfaches vom Startvermögen für verschiedene Quantile. Negative Werte bedeuten, dass die Strategie zu einer vorzeitigen Pleite geführt hat. Wenn die CAPE Regel zu einem besseren Ergebnis gelangt als die 4% Regel, dann ist das Feld grün eingefärbt, andernfalls rot.

Die Tabelle lässt erkennen, dass die Endstände bei der 4% Regel im Vergleich zur CAPE Strategie stärker schwanken. Für die Bewertung stelle ich hier aber auf den Erwartungswert gemäß 50% Quantil ab. Mit einem CAPE-Faktor von 16% liegt das durchschnittliche Endvermögen stets geringfügig unter dem gemäß der 4% Regel. Man kann schlussfolgern, dass die CAPE Regel das Vermögen effektiver entspart. Auf der anderen Seite garantiert die CAPE Regel über einen Zeitraum von 30 Jahren, dass am Ende der Entnahmephase ein Restvermögen verbleibt. Unter Anbetracht der Tatsache, dass die absolute Outperformance der 4% Regel nur gering ist, überwiegt für mich unterm Strich der 2. Aspekt. Damit komme ich zu folgendem Endergebnis:

Endstand: 3:0 CAPE vs 4% Regel

Fazit: sollte das Corona Virus die Börsen zum Einsturz bringen, dann verliert Dein Aktiendepot zwar an Wert. Gemäß der neuen Strategie darfst Du dann zum Trost wenigstens eine höhere prozentuale Entnahmerate anwenden.

Du willst mehr zum Thema Entnahmestrategien erfahren? Dann empfehle ich Dir auch meine Beiträge über die 4% Regel hier, hier und hier!

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Tobi
Tobi
3 Monate zuvor

Hallo Georg,
daß war mal wieder ein toller Beitrag. Danke dafür. Ich denke man muß zwischen FI und FIRE unterscheiden. Solange man was die Entnahmeraten betrifft flexibel ist kann recht wenig passieren. Wer darauf angewiesen ist kann unter Druck geraten.

Joerg
Joerg
3 Monate zuvor

Vielen Dank fuer die hervorragende Analyse, Georg.
Hast doch glatt mal eben die Weltformel fuer das Entspar-Universum (holy grail) gefunden! 😉

Das Problem beim Entnahmebeginn ist ja, dass man nicht weiss: ist mein Depotwert ueberbewertet, fair bewertet, unterbewertet?
Nun gibt es die Moeglichkeit, die Bewertung zu schaetzen (und das als Ausgangspunkt fuer eine ggfls niedrige %Start-Entnahme zu machen) oder einfach den Depotwert zu glaetten?!

Am CAPE-Modell stoert mich:
– relativ kompliziert
– abhaengig von den CAPE-Daten Dritter
– systematische Fehlergefahr (zB Spruenge bei Bilanzierungsrecht, Unternehmenssteuergesetzen)
– Nicht-Beruecksichtigung systemischer, laenger andauernder/trendender Bewertungsaenderungen (zB durch Niedrig-Zinsen)

Letztendlich kommt CAPE in deiner Analyse gut weg, weil es eine Adjustierung der Start-Entnahmerate einfuehrt UEBER DIE 10a-GLAETTUNG von Firmengewinnen.
Es gibt aber zwei Moeglichkeiten zu glaetten: entweder auf Grund von Bewertungskriterien (kompliziert) oder direkt das Ausgangsvermoegen (m.E. einfacher?)

Koennte man nicht einfach eine laengere Glaettung auf den pers. Depotwert durchfuehren (4/5/6/8? Jahres-Glaettung?) und dann zB 4% entnehmen?
In Hausse-Phasen ist so der errechnete pers. Depotwert geringer, in Baissen hoeher als der tatsaechliche Depotstand zum Entsparbeginn X.
So faengt man mit 4% an (auf einen i.d.R. niedrigeren geglaetteten Depotwert) und passt es im Verlauf ggfls nach oben an (falls zuviel Geld im Depot auflaeuft)?

Das ist m.E. ehrlicher als das CAPE-Verfahren, weil weniger Annahmen noetig sind. Der vergangene Preisverlauf im eigenen Depot ist fuer jeden leicht verfuegbar.
Sondergeschichten wie Unternehmenssteuer-Senkungen, Null-Zins als Kurstreiber gehen sofort in das Modell ein (Bilanzierungs-Regeln sind irrelevant).

Einzig der emotionale Faktor ist herausfordernd: wer rechnet sich schon gerne „aermer“ als es der Wasserstand anzeigt?

Was meinst du zur Glaettung?
Ich wuerde mich freuen, wenn du mit deinem Datensatz mal guckst, bei welcher Depot-Glaettung (4-8 oder mehr Jahre?) man mit 4% „sicher“ rauskommt?

LG Joerg

Joerg
Joerg
Reply to  Georg
3 Monate zuvor

Danke Georg, vielleicht bin ich ja auf dem Holzweg …

Die Ueberlegung war folgende (es ging mir nicht um 4% als fixen Wert):
Ob momentane Ueber- oder Unterbewertung herrscht, steckt (wie beim Shiller-KGV) bereits in der juengeren Kurshistorie (die letzten 4-10J) drin (markt-immanent)!
Ob ich jetzt diese Bewertung erst ausrechne/schaetze (muehsam an einzelnen Firmengewinnen und diese aggregiere), um den Entnahmefaktor zu mindern, oder ob man (viel einfacher) den momentanen Depotwert durch Glaettung des Vergleichs-Index mindert (in Hausse) oder erhoeht (in Baisse) kommt letztendlich auf das gleiche heraus.
Lediglich ist es einfacher die „richtige“ Glaettung zu finden anstatt die „richtige“ Bewertung zu berechnen?! Mich stoert auch, dass „Bewertung“ relativ ist – letztendlich am Zinsniveau geankert ist? Wenn das aber in der Aussagekraft „wackelt“ (negativer Zins), ist auch das Herumrechnen mit Bewertungen zumindest kurz-mittelfristig nicht zielfuehrend (gefaehrlich?).
M.E. wird diese relative Bewertung der Assets untereinander (zZ also teure Immos, teure Renten, aber billige Aktien in Relation) im CAPE nicht/kaum/verzoegert aufgegriffen?
M.E. gibt es beim CAPE-Modell auch einen Lag-Faktor (verzoegerte Info zu den Firmengewinnen im Vergleich zum Kurs)?

Also genau wie in deinem Bsp erfasst: bei einem pers. 70/30 World/EM-Portfolio ist als Ausgangspunkt nicht der Preis von heute zu nehmen (wenn ich heute in die Entsparphase wechseln wuerde) sondern der (in diesem Fall niedrigere Durchschnitt der letzten x Jahre, weil wir halt schon laenger eine Hausse haben).
Von diesem Durchschnitt kann ich dann eine hoehere (zB 4%) Entnahme ableiten, als vom CAPE-Modell (zZ 3,3%). Es soll/muss ja der selbe EUR-Betrag herauskommen. Nur, dass das Glaettungs-Modell einfacher ist und weniger Annahmen braucht und unabhaengiger von zB Unternehmenssteuer-Aenderung/Asset-Preis-Inflation etc ist?

Es ging mir nicht um die absoluten „4%“ sondern um ein robusteres, einfacheres Verfahren; und ich hatte die Hoffnung, dass du mit deinem Datensatz und kalkulatorischen Faehigkeiten mal gucken koenntest, bei welcher Glaettung, welche fixe Start-Entnahme (zB 4%) zu gleichen SWR-Ergebnissen fuer die Vergangenheitsdaten fuehren wuerde?
In der Sache hast du natuerlich recht: es ist gehupft wie gesprungen, ob man erst berechnet, ob/wie der Startentnahme-Prozentsatz gemindert werden sollte, oder ob man von einer ggfls niedrigeren Basis aus (im Uptrend) einen hoeheren Prozentsatz avisiert. Nur, welches Verfahren ist einfacher/robuster, kommt mit weniger Annahmen aus?

Ganz kurz: In der juengeren Kurs-Historie steckt „alles“ drin; in der juengeren Firmengewinn-Historie zur Berechnung des CAPEs ggfls „weniger als alles“.
Deshalb: pro Glaettungs-Modell?!

LG Joerg

Joerg
Joerg
Reply to  Georg
3 Monate zuvor

Danke Georg,

genau so habe ich es gemeint. Monatlich ist perfekt.
Ganz simpel: nur mit dem Index rechnen (also zB deine CPI adjusted S&P500 Daten) wegen der historischen Durchschnittsfindung (schaetze ~ zwischen 4 und 10 Jahren? je naeher bei 10j je hoeher die SWR%Entnahme, je kuerzer, je kleiner + mehr fails?).

Persoenliches Depot-Tracking: ich habe zB ca. die Depotstruktur 50% MSCI World (mit einem Bias Richtung Stoxx 600), 25% MSCI World SmallCap, 25% MSCI EM und moechte diese fuer die Entsparzeit beibehalten. Das kann ich einfach auf msci.com tracken (also die Datenreihen runter ziehen, in EUR, NET) und den Durchschnitt anwenden. Also keine Berechnung aus dem eigenen Depot sondern aus dem eigenen Index.

Dann koennten man den „Durchschnittsfaktor“ aus der kuerzeren Vergangenheit dieses pers. Index auf den Ist-Wert des eigenen Depots anwenden (egal wie die Einzahlshistorie war)?
Es spielt sozusagen keine Rolle, ob ich erst gestern alles aus einer Erbschaft angelegt habe, oder muehsam ueber Jahrzehnte zusammengekratzt wurde?! Die eigene Historie muesste egal sein?
Man benutzt nur die Vergangenheit des Index, der dem Depot entspricht, dass ich fuer die Entsparzeit verwende, um den Start%Entnahme-Betrag zu bilden (das laesst sich auch leicht jaehrlich oder alle paar Jahre adjustieren, wenn man moechte).

Vielen Dank im Voraus und LG Joerg

RoMario
RoMario
Reply to  Georg
3 Monate zuvor

Hallo Georg und Jörg,
vielen Dank für den sehr interessanten Disput! Hauptsächlich geht es doch darum, positive oder negative Ausreißer zu entschärfen. Ich würde mir es irgendwann einmal so vorstellen, dass ich meine Asset-Allocation einige Jahre vor der Entnahme in Abhängigkeit der Börsenbewertung anpasse. Beispielsweise fände ich einen Ansatz ala 3 oder 5 oder 10 Jahresbewertung größer X dann (z. B. bei niedriger Bewertung) höhere Aktienquote beibehalten, bei vermeintlich hohen Bewertung wie z. B. heute (10 Jahre + ca. 150% beim MSCI World) sollte sicherheitshalber der Cash-Anteil erhöht werden.
Für mich hat die Asset-Allocation in den ersten und vor allen Dingen in den letzten Jahren eine entsprechend hohe Bedeutung. Über rationale und statistisch halbwegs saubere Kennzahlen würde ich mich sehr freuen.
Weiterhin viel Spaß beim Diskutieren!
Mario

Joerg
Joerg
Reply to  Georg
3 Monate zuvor

Auch hier (fuer ein taktisches Cash-Polster) koennte es genuegen, ggfls den Abstand vom Ist-Depot zu einem gleitenden Durchschnitt (am Index) zu messen, statt den Umweg ueber CAPE zu gehen?
Die Technologie-Blase 2000 haette man damit gut gesurft. Bei der Housing-Bubble 2008 haette es nicht gut geklappt (kaum Ueberbewertung/Fahnenstangen). Und seit dem auch nicht sonderlich?

Was ist in einem sehr langen, immer staerker ansteigenden Aufwaertstrend (zB wegen einer „Neubewertung“ von Aktien getrieben von Niedrigzinsen im Vergleich zu den anderen Assets)? Da muendet jede Seitenlinien-Akrobatik in ein Rendite-Fasten?
Diese Einpreisung geschieht genau einmal (deshalb nicht modell-faehig?), keiner weiss, wie lange es geht/dauert?
LG Joerg

Joerg
Joerg
Reply to  RoMario
3 Monate zuvor

Hi Mario,
weiss nicht genau was du meinst.
– Umschichten zur Entsparphase ist zZ steuerlich eklig (Abgeltungssteuer wird faellig). Wozu auch?
– Der Plan ist ja hoffentlich ein langes Leben (also lange Entsparphase). Bzw in der Entsparphase schoen Konsumieren/Spenden/Schenken und auch fuer die Brut (Erben) das Maximale herausholen: D.h. du bleibst bei einer sehr hohen/hohen Aktienquote bis zum Ableben und entnimmst nur was du brauchst (dynastische Denke fuer Euer Depot).
– Ein Cash-Zelt (um die ersten Entsparjahre ggfls abzusichern) in Hoehe von 2-6 Jahresverbraeuchen bleibt jedem ueberlassen. Ein solches baut man am besten mit Sparraten kurz vor dem Entsparbeginn auf (keine Verkaeufe aus dem Depot).
– Was wir hier diskutieren ist graue Theorie. Vermoegensverwalter bestaetigen unisono, dass wenn man ein Leben lang Sparen konditioniert hat, nur eine verschwindende Minderheit es im Alter schafft, wirklich mehr auszugeben, als das Depot abwirft. Im Prinzip betreffen diese Diskussionen zum optimalen Entsparen fuer 50-60 Jahre nur die 1-3% Anleger, die wirklich deutlich frueher als 60 in den Sack hauen.

Verschwoerungs-Ideologie on:
Oder halt fuer konspirative Subjekte, die die Option haben wollen, um eine Art „Arbeitsverweigerung“ zu planen (angesichts steigender Steuern/Abgaben). Sprich‘ nur fuer das Existenzminimum arbeiten zu gehen, aber trotzdem ein fettes Leben aus dem Depot zu fuehren?! 😉
Stell dir vor: wenn nur 5-10% der (leid/tenden) Angestellten ploetzlich nur noch in Teilzeit kaemen: wuerde die Regierung kapitulieren muessen! Denn Steuer- und Abgabenaufkommen wuerden drastisch einbrechen, die Wirtschaft kranken.
Sozusagen PlanB, falls es sehr viel schlimmer Richtung Sozialismus ginge … und Leistungstraeger stets von einer nehmenden/fordernden/verteilenden Mehrheit ueberstimmt werden wuerden? Sagen duerfte man nix, aber machen …?
„Gedanken sind frei, wer kann sie erraten … ;-)“
Spass, meine Arbeit macht mir viel Freude, LG Joerg

RoMario
RoMario
Reply to  Joerg
3 Monate zuvor

Hi Jörg,
vielen Dank für die Antwort. Da sind wieder viele gute Punkte enthalten.
Das mit dem Umschichten wäre vermutlich – so wie du auch beschreibst – eine schlechte Entschedung. Mich interessiert im Besonderen dein/das „Cash-Zelt“: wie viel Cash-Jahe sollte man in Abhängigkeit der Aktienbewertung/CAPE vorhalten (Du schreibst von 2 bis 6 Jahren).

LG Mario

Joerg
Joerg
Reply to  RoMario
3 Monate zuvor

Hast du den Artikel von Kitces schon gelesen?
Wenn englisch muehsam ist, kopier es Stueck fuer Stueck nach: https://www.deepl.com/translator
Und schreib uns, ob fuer dich eher 2 oder 6 Jahre besser waeren und warum 😉
LG Joerg

RoMario
RoMario
Reply to  Joerg
3 Monate zuvor

…mein Deutsch ist etwas besser als mein Englisch. Ich werden mich aber mal daran versuchen 😟

RoMario
RoMario
Reply to  RoMario
3 Monate zuvor

Auch mit Übersetzer bin ich weder schlauer geworden noch habe ich etwas zur Frage, 2 oder 6 Jahre gefunden. Über die Kernaussage oder eine Interpretation würde ich mich sehr freuen!

RoMario
RoMario
Reply to  Georg
3 Monate zuvor

Moinmoin und besten Dank für die Info. 5 Jahresausgaben klingt bei Aktien-Anlagen natürlich immer sinnvoll und man macht damit durchschnittlich sicherlich nicht viel falsch. Allerdings ist es wieder ein statischer Wert…
5 Jahesausgaben könnten man auch als 20 % Cash-Anteil (5 x 4%) interpretieren. Vielleicht möchtest du mal durchsimulieren, wie sich eine dynamische Cash-Quote, z. B. zwischen 10 und 30%, auswirken würde. Wenn man z. B. 10 Jahre vor der Entnahme mit entsprechenden Anpassnungen beginnt, wäre es auch nicht wirklich steuer-ekelig. Das eignet sich allerdings nur bei längeren Aufbauphasen und weniger konspirativen Ansichten 🙃

Joerg
Joerg
Reply to  Georg
3 Monate zuvor

Genau, ich wollte, dass du etwas lernst ;-).
Es ist immer individuell, haengt an vielen, vielen Faktoren. (Zeit bis Rente, Rentenhoehe/Pensionshoehe, andere Einnahmen, Lebensgemeinschaft/ja/nein, eigene Immo/ja/nein, Kern-Ausgabenbedarf, Spass-Ausgabenbedarf, Gesundheitszustand/Bucket-List-Abarbeitung, Erb-Potential, Vererb-Wuensche, Schisser/Harakiri-Typ, usw).
Bei uns pers. werden es eher nur 1-2 Jahresausgaben?
Nix fuer ungut Mario, LG Joerg

Marius
Marius
3 Monate zuvor

Hallo Georg,

interessante Berechnung. Das gefällt mir. (Herr Shiller ist aber nicht Nobelpreisträger, das ist mir wichtig.)

Eine Überlegung von mir zum Thema: Macht es überhaupt Sinn mit einen MSCI World bzw. DM/EM-Mix von 70:30 einen ausgereizten Entnahmeplan zu starten oder ist es nicht sinnvoller mit einem Low-Volatility-Depot an den Start zu gehen?

Selbst wenn die Performance beim Low-Volatility-Depot (im Vergleich zum MSCI World) leiden sollte könnten trotzdem höhere Entnahmen möglich sein.

Der MSCI World Low Volatility Index hatte aber sogar den MSCI World in den letzten Jahrzehnten ausperformt.

VG Marius

Marius
Marius
Reply to  Georg
3 Monate zuvor

Hi Georg,

der Herr hat den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften bekommen. Einen Nobelpreis für Wirtschaft gibt es gar nicht. Da wird m.E. gezielt auf eine Verwechselung mit dem echten Nobelpreis spekuliert, was wohl auch gut gelingt. Auf Wikipedia hinter dem Link versteckt. Einfach mal anklicken.

Wie kommst du auf eine bessere Diversifikation? Weil mehr Aktien im World als im Low Volatility sind? Das ist m.E. zu einfach gedacht. Der CDAX ist m.E. auch schlechter diversifiziert als der MDAX, hat aber sehr viele Aktien im Index (läuft aber fast parallel zum DAX30 und der ist sehr schlecht diversifiziert). Wenige große Aktien bestimmen manchmal die Performance eines Index, da spielt die Anzahl der enthaltenen Aktien keine große Rolle mehr.

VG Marius

Marius
Marius
Reply to  Georg
3 Monate zuvor

Hi Georg,

ich finde diesen Preis eher nicht vergleichbar mit einem Nobelpreis.Die Preisträger veröffentlichen doch eher Trivialitäten. Durchschnitte von zurückliegenden Gewinnen wurden doch schon immer betrachtet.
Die „Kennzahl“ von William F. Sharpe finde ich noch schräger. Er teilt die Performance durch die Vola und will damit das Risiko berechnen. Das geht doch höchsten kurzfristig. Man kann sich als Fondsmanager seinen Fonds mit solchen Kennzahlen aber schönrechnen. Dafür wurden sie m.E. erfunden.

VG Marius

Felix
Felix
Reply to  Georg
3 Monate zuvor

„hier in Deutschland muss man sich aufgrund der Besteuerung langfristiges für ein Produkt entscheiden. Man kann leider nicht wie zB bei einem 401k steuerfrei umschichten.“

Ich nutze ein Fairr-Riester-Mantel mit Renteneintrittsalter 83 „Hack“ für einen kleinen Teil meiner Rücklagen (Sinn und Unsinn soll hier nicht Thema sein).

Hier wäre evtl. eine steuerfreie Umschichtung in low vola Titel kurz vor der Rente interessant.

Marius
Marius
Reply to  Georg
3 Monate zuvor

Hi Georg,

seit 31.5.1988 ist er besser. Macht doch eigentlich auch Sinn, oder? Bei Optionen bezahlt man ein Aufgeld für die Volatilität, warum sollte das bei Aktien nicht auch so sein?

Macht es für einen langfristigen b&h Anleger Sinn für eine höhere Vola zu bezahlen? Man hat doch gar nicht vor zu zocken.

VG Marius

Marius
Marius
Reply to  Georg
3 Monate zuvor

Na mit einer volatilen Aktie kann ich doch kurzfristig Kursgewinne realisieren. Sicherlich kann es auch andere Ursachen geben. Was wäre denn deine Theorie?

Marius
Marius
Reply to  Georg
3 Monate zuvor

Vielleicht liegt es auch nur am Branchenmix des LowVola.

Heini
Heini
Reply to  Marius
3 Monate zuvor

Hallo Georg,
die Cape-Regel ist ja richtig genial, kann kaum glauben, daß die so einfach sein soll, gerade da nur einmal zu berechnen und nicht bei jedem Entnahmejahr neu. Freue mich auf weiter Auswertungen dazu.

zum LowVola: Denke das liegt an der Zusammensetzung des Index.
https://de.extraetf.com/etf-comparison?etf=IE00B8FHGS14,IE00BM67HN09
hier ist der Vergleich zum Consumer Staple, hab beide selber in meinem Portfolio, die sind sich recht ähnlich. Der Consumer Staple hat 2008 im Crash noch besser abgeschnitten.

Heini
Heini
Reply to  Georg
3 Monate zuvor

Ja, die dynamische Cape-Regel kenne ich, finde aber die Faktoren doch recht willkürlich und kann damit dann wenig anfangen. Dann könnte ich auch deine Cape-Regel jedes Jahr anpassen und nur eine untere Begrenzung (also was man mindestens benötigt) festlegen.
Damit würde ich auf den zukünftigen erwarteten Markt dynamisch reagieren statt auf das aktuelle Portfolio.

Florentine
Florentine
1 Monat zuvor

Hallo Georg, ich bin sehr begeistert von Deinen Berechnungen und Schlussfolgerungen. Da ich gern zeitnah, also binnen der nächsten 5 Jahre in den „Ruhestand“ also Abkehr von meiner abhängigen Beschäftigung gehen würde und beschäftige ich mich natürlich mit der Frage, wie ich die Zeit bis zum Renteneintritt bestreite, ohne oder nur mit geringer Entsparung.
Meine Idee, eher statisch für 3, 4 oder 5 Jahre meine geplanten Jahresausgaben auf einem Tagesgeldkonto zu parken (also Notgroschen) und in Zeiten wie jetzt die Entahme aus dem Wertpapiervermögen gänzlich zu stoppen.
Wie würde sich die sichere Entnahmerate verändern, wenn keine Entnahmen für 3, 4 oder 5 Jahre nach einem Crashbeginn notwendig ist. Das Ganze auf Basis historischer Daten.
Gibt es dafür irgendwo bestehende Simulationen oder kannst Du sowas rechnen?
Viele Grüße und danke für die tollen Artikel
Florentine

Florentine
Florentine
Reply to  Georg
1 Monat zuvor

Hallo Georg, danke und die Fallstudie habe ich mir auch durchgelesen. Meine Hauptassetklasse sind Immobilien. Die sind recht einfach zu berechnen und auch lfd. Einnahmen gegen Instandhaltung etc. sind systematisch und mathematisch selbst mit Inflation und Steuern nicht so wirklich mathematisch anspruchsvoll. Irgendwann später kommt noch gesetzliche Rente und Betriebsrente usw. dazu. Auch das ist rechnerisch machbar für mich. Mein Gedanke war mit Auflösung bzw. sicherer Entnahmerate die Jahre bis zum tatsächlichen Eintritt der gesetzlichen Rente zu überbrücken, erstmal mit dem WP Vermögen, was da ist. Daher wäre mir mit einer Detailbetrachtung statt einer Gesamtbetrachtung eher geholfen. Ich hab bis zum Eintritt in die gesetzliche Rente noch 19 Jahre, würde gern in maximal 5 Jahren auch ganz aufhören zu arbeiten. Ein Denkspiel wäre eben auch ein Immobilienverkauf einer oder zwei der Immobilien und die Anlage in Wertpapieren nebst sicherer Entnahme und die dann gegen Behalten der Immobilien inkl. jeweiliger Risikoabschätzung (letztere würde ich natürlich für mich selbst abschätzen wollen). Ein Gedanke dabei war halt aus dem Immobilienverkauf nicht alles in Wertpapieren anzulegen, sondern einen Puffer von 3-5 Jahrenentnahmen zu haben, falls die WP Märkte schlecht laufen.
LG Florentine

Florentine
Florentine
Reply to  Georg
1 Monat zuvor

Hallo Georg, da ich im Moment noch eher Immobilien zukaufe als verkaufe, ist das für mich eine wirklich separate Betrachtung „Immobilien“ wirklich unabhängig von weiteren Einnahmequellen.
Was ich suche ist quasi ein Ausgangsbetrag für Wertpapiere in 5 Jahren (wo der Betrag herkommt, ob weiter angespart oder aus Immobilienverkauf oder oder) bleibt erstmal aussen vor. Von diesem Ausgangsbetrag benötige ich 1.200 EUR monatlich sichere netto Entnahme zzgl. Inflation für eine Dauer von mindestens 15 Jahren bis maximal 35 Jahre. Alle anderen Beträge kannst Du als gegeben und vorhanden annehmen. Die Frage ist wirklich nur, wie entwickelt sich die Entnahmerate, wenn ich in dem Zeitraum, jedes Mal, wenn es zum Crash kommt, die Entnahme stoppen für einen längeren Zeitraum stoppen kann, um überproportionale Entsparung zu vermeiden. Meine Theorie dazu ist, dass ich eine ungefährt um 2 % höhere sichere Entnahmerate habe, wenn es diese Aussetzungsmöglichkeiten gibt, als wenn wirklich regelmäßig entnommen werden muss. LG Florentine

Florentine
Florentine
Reply to  Georg
1 Monat zuvor

Vielen Dank und ich bin gespannt.
Meine rechnerischer Ansatz wäre aber eher eine Vergangenheitsbetrachtung.
Wie hätte sich die sichere Entnahmerate entwickelt, wenn ich bei der vergangenen Krisen seit der Weltwirtschaftskrise die Entnahme für 1, 2 oder 3 Jahre ausgesetzt hätte?
Dabei halte ich es auch für unerheblich, ob ich 1.000 Euro oder 5.000 Euro pro Monat entnehme. Deshalb hatte ich anfangs auch nicht nach einer konkreten Summe bzw. Beträgen gefragt, sondern nach einem Prozentsatz bzw. nach einer Kurve von Prozentsätzen. Das lässt sich dann ja individuell hoch rechnen.
Auch die Reserve wäre dann nominal zweitrangig, sie wäre dann „einfach nur“ die geplante Entnahme x 12, x 24 oder x 36 Monate, plus Inflationsanpassung.
So irgendwie 🙂
Viele Grüße
Florentine

Joerg
Joerg
1 Monat zuvor

Moin Georg,

mich interessiert Deine Meinung zu folgenden Gedanken:
a) Bewertungsregeln (zB CAPE) sollen ja eine Kruecke/Gehhilfe auf dem Weg finanzieller Entscheidungen sein
(hohe Bewertung: langsam machen, vorsichtig sein; niedrige Bewertung: all-in, hoehere Entnahmeraten zum Start)
b) die Bewertungsregeln haengen aber wiederum von anderen Parametern ab (gesetzl. Regelungen, zB Bilanzierung, Steuern, etc und v.a. Zinsen am Kapitalmarkt)
c) bei Renten und Immobilien wurden die Bewertungsregeln schon stark verzerrt durch 0-Zins. Eine gewisse Gewoehnung an „unvorstellbar hohe Preise“/Bewertungen? hat schon stattgefunden?
d) bei Unternehmensbewertungen bisher nicht/kaum?
Deshalb die Unsicherheit der Anleger zur Zeit: manche sagen: es ist jetzt billig, die Chance des Lebens; andere: das dicke Ende kommt noch, die Unternehmensbewertungen sind angesichts der kommenden Rezession immer noch idiotisch hoch

Koennte es so sein?: In einer Welt ohne Zins (Wert des Geldes), ist eine sinnvolle Bewertung nicht (mehr) moeglich, deshalb sind mittel- bis langfristig stark steigende Aktien wahrscheinlich, weil ja alles andere relativ noch weniger wert sein wird.
Die klassische Unternehmensbewertung ist in dieser Situation wenig hilfreich und ein blinder Fleck im Auge der Value-Investoren?!
Genauso, wie die Zentralbanken zuerst Geld (Schuldpapiere) aufkaufen und dadurch Immobilien und zeitweise Aktien teurer machen, werden immer mehr auch Unternehmensanteile aufgekauft werden (Japan, Schweden, SaudiArabien, China, Norwegen machen es schon, jetzt auch noch die FED).

D.h. auch wenn es wenig rational erscheint, fuer Assets die teuer scheinen immer noch mehr zu bezahlen, ist es wie beim Shared-Dinner: der, der sich bescheiden verhaelt, muss trotzdem den Durchschnitt der Rechnung/den Luxus der anderen bezahlen.
Deshalb werden die Maerkte nicht so weit fallen, wie es in frueheren Zeiten der Fall war, sondern wie von Geister-Hand (FED, etc) wieder steigen?

Was meinst Du? LG Joerg

Alex Schmitt
1 Monat zuvor

Hallo Georg,
ich denke, mit dem Ansatz einer Bewertung der Entnahme liegst Du ganz sicher richtig, auch CAPE scheint mir gut geeignet zu sein.
Dennoch frage ich mich, ob die Optimierung des Betrags nicht vielleicht durch eine andere Vermögensaufteilung stärker beeinflusst wird. Es könnte z.B. ein Puffer vorliegen, der 6, 12, 36 oder sogar 60 Monate reicht. Dadurch kann der Entnahmezeitraum flexibler gehandhabt werden und der Ertragsverlust (Cash gegen Aktien) eventuell mehr als ausgeglichen werden. Außerdem würde es mir viel bedeuten, wenn ich nach so einem Absturz erst einmal mehrere Jahre nicht an meine Aktien müsste und trotzdem genügend Geld hätte.
Als jemand, der zum 31.03.20 aus dem Arbeitsleben ausgeschieden ist, eine sehr relevante Überlegung. 😉
Grüße, Alex

RoMario
RoMario
Reply to  Georg
1 Monat zuvor

Hi Georg und Community,
ich denke, dass die Corona-Krise (und Schulden) für diejenigen von uns, die noch ein paar Jahre Ansparen wollen, sehr lehrreich wird. Nach Corona sind wir schlauer, wie Staatsanleihen, Gold, Cash (Banken), P2P-Kredite usw. performt haben.
Ich sehe es auch wie Georg, dass Cash und Gold interessant sind. Zu Gold habe ich ein extrem zwiegespaltenes Verhältnis: langfristig hält es im Gegensatz zu Papiergeld seinen Wert, steigt in Krisen teilweise gegensätzlich zu Aktien, ist extrem mobil, aktuell (noch) steuerlich interessant… Aber der Abbau ist menschlich und ökologisch sehr fragwürdig, Gold hat keinen wirklichen Nutzen, Gold erwirtschaftet keine Zinsen oder Dividenden, die Lagerung von physischem Gold ist unsicher, vielleicht können Menschen irgendwann Gold chemisch/technisch günstig herstellen…
Ich freue mich sehr auf die historische Simulation und den/die begleitenden Berichte.
Liebe Grüße und schöne Ostern, Mario

Alex Schmitt
Reply to  Georg
1 Monat zuvor

Hallo Georg,
Dir auch noch schöne Rest-Ostern und ich bin gespannt auf Deine Ergebnisse, werden vermutlich mehrere Artikel, nach dem was Du Dir vorgenommen hast.
Meine Strategie ist viel Cash, kann also locker 5 oder mehr Jahre davon leben. Problematisch wird es somit erst, wenn die Kurse stark fallen und sich lange (!) nicht mehr erholen. Ansonsten habe ich gerade nur eine Aktienquote von 25% und davon sogar >80% gehedged. (Nichts zu verlieren ist gut, aber dennoch kein Ertrag!)
Für Zufluss beim Cash sorgen 50% Immobilien und in 15-25 Jahren diverse Renten (GRV, Ex-Arbeitgeber und privat).
Wenn Du jetzt nachrechnest wirst Du eine Lücke finden, welche aus Krediten resultiert. (Das macht die Liquiditätsplanung noch ein wenig komplizierter, schützt mich aber ein wenig vor Inflation und hebelt meine Rendite.)
Meine Erfahrung aus den letzten 20+ Jahren, Optimierung ist gut, aber erst, wenn Du alles berücksichtigt hast. Ohne Flexibilität wäre ich nicht flexibel genug, um angemessen zu reagieren. Deshalb erst die Vermögensaufteilung, dann der Rest.
Grüße, Alex
PS: Habe vor gut ~8 Jahren schon mal aufgehört. Damals liefen die Börsen gut, außerdem habe ich doch weniger ausgegeben und bspw. das Auto länger gefahren. Hat gut funktioniert und gibt mir viel Zuversicht für diesen Versuch! 😉

Hans
Hans
1 Monat zuvor

Ich verstehe den Sprung von 3,22%, was die Berechnung der initialen Entnahmerate in obigem Beitrag erbringt zu den später angenommenen durchschnittlichen 4,2% nicht. Es scheint, dass ein Inflationsausgleich angenommen wird, der die durchschnittliche Entnahmerate über die Zeit erhöht.

„Für den Vergleich stelle ich auf die mittlere Entnahmerate der CAPE Regel ab, welche mit einem Faktor von 16% bei 4,2% liegt. Da der Wert über 4% liegt, ist auch die erwartete Summe der Entnahmen entsprechend höher.“

Dann scheint es aber auch so zu sein, dass beim Vergleich mit der 4%-Regel bei selbiger keine Inflationsanpassung angenommen wird. Ansonsten müsste ja die durchschnittlche Entnahme bei der Betrachtung der 4%-Regel auch um einiges über 4% liegen.

Werden denn da nicht jetzt Äpfel mit Birnen verglichen?

Äpfel –> CAPE-Ansatz mit Inflationsanpassung der Entnahmerate
Birnen –> 4%-Ansatz ohne Inflationsanpassung der Entnahmerate

Oder was übersehe ich hier?

Philipp
Philipp
22 Tage zuvor

Hallo Georg,
Ich habe gerade deinen tollen Artikel gelesen und bin sehr beeindruckt (auch über den mathematischen Zufall der 4%). Das Konzept mit CAPE kannte ich schon, allerdings als dynamische Entnahmeregel mit 1%+50%/CAPE.
Führst du zufällig eine Liste mit den Starcapital CAPE-Werten der letzten Monate oder Jahre? Ich habe auch nach langer Recherche keine Quelle für historische CAPEs außer der vom S&P500 gefunden. Ich hatte mal angefangen mir die Werte für Industrie- und Schwellenländer jeden Monat zu notieren, bin dann aber wieder von abgekommen.