Spontane Aktion: kann Mad (42) ab sofort in Rente gehen?

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Gestern Abend bin ich beim Stöbern auf der Finanzblogroll auf den neuesten Artikel von Blogger-Kollege Mad gestossen. Mad, der im wahren Leben Matthias heißt, betreibt seit 15 Jahren den lesenswerten Blog getmad.de, auf dem es neben anderen Themen in vielen Artikeln auch um Finanzen und finanzielle Unabhängigkeit geht. In seinem aktuellen Artikel stellt er seine Gedanken zu seiner eigenen Finanzplanung öffentlich zur Diskussion, und ich habe mich spontan dazu entschlossen ihm dabei zu helfen! Sein Vermögen ist wie bei vielen erfahrenen Anlegern klar strukturiert, neben einem diversifizierten Aktien-Portfolio gibt es nur noch die gesetzliche Rente und ein erwartetes Erbe. Das macht es mir sehr leicht seine Daten in mein Renten-Planungstool zu übertragen. Konkret habe ich folgendes erfasst:

– Matthias ist 42 Jahre alt und nimmt für sich eine Lebenserwartung von 95 Jahren an. Das ergibt 53 Jahre Rente.

– das Depot ist 580.000 Euro wert, davon wurden 480.000 Euro eingezahlt; der Anteil des unrealisierten Gewinns beträgt demnach heute ca. 13%, das ist wichtig für die Berechnung der Steuerlast während der Entnahme

– Außerdem hat Matthias bereits 30 Rentenpunkte erworben; der reale Gegenwert eines Rentenpunkts wächst gemäß seiner Annahme im Rahmen der Planung nicht, sondern bleibt konstant (der langfristige Durchschnitt liegt 0,5% realem Wachstum, seine Annahme ist daher konservativ).

– sollte Matthias weiterarbeiten, dann spart er dank einer recht hohen Sparquote von 70% pro Jahr 36.000 Euro und erwirbt zusätzlich 2 weitere Rentenpunkte

– ich unterstelle außerdem 0,2% Kosten p.a. für den Unterhalt des Portfolios

– das erwartete Erbe i.H.v. realen 500.000 Euro wird konservativ und für gutes Karma erst in 20 Jahren eingeplant

– sämtliche Steuer-Berechnungen erfolgen ohne Berücksichtigung des Ehegattensplittings

Wann kann Matthias mit 2.000 Euro netto pro Monat in Rente gehen?

Um während der Rente über die Runden zu kommen braucht Matthias reale 2.000 Euro netto pro Monat, und fragt sich, ob er dieses Ziel nicht vielleicht heute schon erreicht hat!? Das Renten-Planungstool soll hier klare Verhältnisse schaffen, und aufzeigen was heute und in Zukunft möglich ist. Dafür simulieren wir auf Basis von Vergangenheitsdaten des S&P 500 Total Return Index und den dazugehörigen Inflationsdaten mehr als 1.400 mögliche, historisch beobachtete Verläufe für Matthias Finanzplanung. Für jeden der mehr als 1.400 Verläufe berechnen wir anschließend mit welchem Entnahmebetrag Matthias sein Vermögen nach insgesamt 53 Jahren als Privatier exakt auf null setzt.

Da wir nicht wissen können wie sich die Börse in der Zukunft entwickelt, betrachten wir zunächst das gesamte Spektrum an Möglichkeiten, orientieren uns anschließend aber konservativ an den eher ungünstigen Verläufen. So ist man je nach eigener Risikoneigung selbst bei extrem adversen Szenarien vor einer verfrühten Pleite geschützt.

Wie werden sich Matthias Finanzen in Zukunft entwickeln? Wie sieht sein persönliches Worst-Case Szenario aus? Und kann er wirklich, wie er selbst vermutet, bereits heute mit 2.000 Euro netto in Rente gehen? Das sagt das Renten-Planungstool, nachdem ich Matthias Daten darin erfasst habe:

Die Tabelle zeigt die monatlichen Netto-Beträge, über die Matthias je nach Risikobereitschaft und Rentenbeginn verfügen kann. Die erste Zeil zeigt an was ab sofort möglich wäre. Um für die nächsten 53 Jahren über ein monatliches Netto-Einkommen i.H.v. realen 2.000 Euro zu verfügen (das sind ca. reale 1,3 Mio Euro totale Entnahme über die gesamte Laufzeit), müsste er gemäß dieser Analyse ein geringes Pleiterisiko von 1% eingehen. Absolut bombensicher (0% Risiko) ist seine Planung erst wenn er noch 2 weitere Jahre arbeitet, also weitere 72.000 Euro spart und 4 Rentenpunkte erwirbt.

Aus meiner Sicht kann man dieses geringe Risiko aber vernachlässigen. Denn sein persönliches Worst-Case Szenario ist ein starker Kurseinbruch unmittelbar zu Rentenbeginn, analog zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Damals sind die Kurse über mehrere Jahre um bis zu 90% eingebrochen. Ein derartiges Ereignis generell, und dann auch noch unmittelbar nach Start der Entnahmephase zu geraten, erscheint mir sehr unwahrscheinlich. So sähe die Wertentwicklung seine Depots aus, wenn er in dieses Worst-Case Szenario hineingeriete:

Ein klassischer Fall wo eine verfrühte Pleite gerade noch durch das Erbe verhindert wird. Die ersten 20 Jahre gestalten sich schwierig, danach läuft es dann aber prima. Hier noch mal die Detailansicht, um die ersten 20 Jahre etwas besser erkennen zu können:

Und abschließend noch das nominale Ausgabenprofil:

Die Einmalzahlung durch das Erbe habe ich optisch gekürzt, da diese sonst alles andere in der Grafik wegrelativiert. Sollte ab 67 doch noch eine unerwartete Depot-Pleite folgen, dann wäre trotzdem noch ein guter Teil des benötigten Budgets über die Rente gedeckt. Wie man es dreht und wendet, das erscheint mir alles ziemlich wasserdicht, weshalb Matthias gemäß gründlicher Analyse in meinen Augen wahrhaftig finanziell unabhängig ist 😊

 

Anhang: Tabelle Coast FI – Entwicklung ohne weitere Einzahlungen und RP:

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5 Monate zuvor

[…] Diesesmal bei Georg auf Finanzen Erklärt […]

Andre
Andre
5 Monate zuvor

der Moment wo man feststellt das das in monatelanger Arbeit gebaute Excel wirklich funktioniert – unbezahlbar 🙂

Nein, im Ernst, Super! Die “Was wäre wenn man morgen den Stift fallen lässt” Szenariosimulation muss ich mir auch mal erstellen, das ist ja eigentlich exakt der Grad der finanziellen Freiheit/Unabhängigkeit.

Timo
Timo
Reply to  Georg
5 Monate zuvor

Hallo Georg,
mal wieder eine super Analyse von dir. Klasse mal so ein reales Beispiel zu haben. Das ein starker Crash am Anfang eine Gefahr für den eigenen Ruhestand ist, das ist inzwischen ja bekannt. Und sowas bekommt man ja auch direkt mit. Selbst wenn der Hauptjob dann schon gekündigt ist, hat man ja immer die Möglichkeit irgendwo auf 400€ Basis jobben zu gehen und so die Entnahme zu reduzieren. Hast du die Möglichkeit, so etwas nachträglich durchzuspielen? Also gar nicht mal in die Hauptsimulation einzubauen, sondern die worst-case Simulation zu nehmen und dann sagen, wie wäre der Verlauf, wenn ich meine Entnahme um X€ senke in den ersten Y Monaten.

Matthias
5 Monate zuvor

Danke Dir Georg für die Analyse und das Aufnehmen des Themas 😉

Matthias
Reply to  Georg
5 Monate zuvor

Aktuell ist mein Plan noch 3 Jahre zu arbeiten .. natürlich wären 6k im Monat eine Hausnummer .. aber ich weiß jetzt schon nicht was ich mit dem “mehr” an Geld machen würde ..

Det
Det
Reply to  Matthias
5 Monate zuvor

Unverhofft kommt oft , da wird es schon noch die eine oder
andere Verwendungsmöglichkeit geben .
Viel Erfolg weiterhin .
LG Det

PS , ein paar Positionen habe ich auch davon im Depot ,
aber bin z.B. bei Tanger , n.w.v. am überlegen , ob das
noch lange gut gehen wird ( z.B. Tanger , betr. Amazon ) .
War zwar letztes Jahr ,meine grösste Position , aber
nicht im Long Run . Für Long Run , denke ich n.w.v. noch
über Tanger nach . Habe aber erstmal auf 6P abgebaut .
Wenn Sie das zahlen wieder aufnehmen wollen , schön .
Aber ob das Geschäftsmodell noch so nachhaltig ist ???
Fragen über Fragen .

Matthias
Reply to  Det
5 Monate zuvor

Tanger ist aktuell auch mein schlechtester Wert im Depot .. ich warte aber aktuell noch ab ..

Joerg
Joerg
5 Monate zuvor

Gute Analyse, Georg,

aber wie ist es mit der getroffenen Annahme, dass Matthias Depot (http://www.getmad.de/depot – eine stark auf Ausschuettungen ausgerichtete, amerikanische Einzelaktienstrategie) aehnlich wie der S&P500 performen wuerde?

Das scheint mir sehr, sehr zweifelhaft!

Man koennte einfach den beobachteten Rendite-Malus einer Dividendenstrategie (minus 2-3% p.a.?) in den letzten drei-vier Jahrzehnten weiter in die Zukunft schreiben (in die S&P500 Simulation einbauen)?
Man koennte den steuerlichen Malus (bei 4,8% Ausschuettungsrendite im Depot von Matthias) von minus 1,6% p.a. beruecksichtigen (also noch weniger Netto)?

Die Aufloesung von Einzelaktiendepots durch Verkaeufe ist bei den meisten Dividendenstrateglern keine Option, deshalb birgt eine Zwangsrealisierung von Kursgewinnen wegen drohender Lebensstandard-Absenkung die Gefahr noch schlimmerer Diversifikation mit allen Anfaelligkeitssymptomen.
Vielleicht werden Ausschuettungen in den naechsten 5-10 Jahren in D auch sozialversicherungsbeitragspflichtig, dann bleibt noch weniger von den Dividenden uebrig?

Im Prinzip trifft auf Matthias Depot dein “eine-dividendenstrategie-kann-die-finanzielle-unabhaengigkeit-um-bis-zu-9-jahre-verzoegern”-Artikel zu. Nur eben auch zusaetzlich noch in der Entsparphase: “eine-dividendenstrategie-kann-die-entsparphase-um-bis-zu-9-jahre-verkuerzen”? 9+9 = Eighteen more years? 😉

LG Joerg
(nix fuer ungut Matthias – du haelst das aus, ohne mad zu getten ;-))

Matthias
Reply to  Joerg
5 Monate zuvor

Ich halte das aus 🙂

jede Kritik bzw. andere Betrachtungsweise hilft mir

Auch versuche ich seit 1-2 Jahren mehr in Wachstumsgsaktien bzw. mehr in Dividenden-Wachstumsaktien zu investieren .. als rein die Rendite zu betrachten …

Diverse Kröten sind dementsprechend schon aus dem Depot geflogen ..

Det
Det
Reply to  Matthias
5 Monate zuvor

Evt. wäre da Naspers mit den gehaltenen Prosus NV , oder
Prosus NV direkt ( haben ca. 31% an Tencent , nur billiger )
ja eine Idee dafür ??? Keine Ahnung , aber im Bestand .
Ansonsten habe ich im Moment meine grösste Position
Hin und Her = Vola-Nutzung an den Börsen , bei Heliad .
Da wäre auch das Orginal ( Flatex ) evt. eine Möglichkeit .
Aber auch DA , KEINE AHNUNG .

LG Det

trackback
5 Monate zuvor

[…] Georg im Blog gab es von User Joerg berechtigte Kritik ob man (m) eine Dividendenstrategie nach Georgs Simulation […]

Thorsten
5 Monate zuvor

Vielleicht noch eine Idee, die ich bisher für mich plane:

Um das Sequence-of-Returns-Risiko noch weiter zu verringern, habe ich vor 2-3 Jahre vor dem geplanten Wechsel zum Privatier mein Cash-Polster aufzufüllen, sodass ich statt einer Jahresausgabe, zu Beginn 2-3 Jahresausgaben in Tages-/Kurzfristiges-Festgeld habe.

Sollte just zu dem Zeitpunkt der Aktienmarkt runter gehen, dann lebe ich erstmal 2-3 Jahre davon. In der Zeit gibt es höchstwahrscheinlich schon wieder eine Erholung.

Tritt der Crash zu dem Zeitpunkt nicht ein, investiere ich das zu viel an Cash welches ich nicht verbrauche, einfach über diese 2-3 Jahre nach und nach noch, bis ich auf meinem Ziel-Cash angekommen bin.

Hab das jetzt nicht “getestet” mit Simulation oder so, aber vielleicht auch für andere zum Nachdenken – bzw gerne auch für Feedback zu der Idee!?

Viele Grüße
Thorsten

Thorsten
Reply to  Georg
5 Monate zuvor

Gut zu wissen, dass ich mit der Überlegung nicht alleine bin…und natürlich interessant zu sehen, wenn Du dazu eine Berechnung anstellst. 🙂

Danke jedenfalls für die guten inhaltlichen Beiträge hier im Blog!

Christoph
Reply to  Thorsten
5 Monate zuvor

Moin Thorsten,
diese Überlegung wird oft „Bond-Tent“ genannt.
Ich meine das Michael Kitces (USA) das oft befürwortet.
Einfach mal googeln.
Christoph

Edit: zB hier:
https://www.kitces.com/blog/managing-portfolio-size-effect-with-bond-tent-in-retirement-red-zone/

Der ist auch in diversen Podcasts und Videos unterwegs – seeehr unterhaltsam.

Last edited 5 Monate zuvor by Christoph
Daniel
Daniel
Reply to  Georg
5 Monate zuvor

Wenn du dir den Cash-Puffer genauer ansiehst, dann gerne mal mit einem Anteil Gold. Gold hat in vielen (aber nicht allen) Crashs sehr ordentlich performt und würde so das Portfolio beim Crash im Aktienmarkt umso mehr stabilisieren. Ich glaube, dass aus der Überlegung tatsächlich ein Goldanteil von weit über 20% sinnvoll wäre, was sich eigentlich seltsam anhört.

Marcus
Marcus
Reply to  Thorsten
5 Monate zuvor

Ein anderer Vorschlag, der in eine ähnliche Richtung geht:
Du könntest die Aktien in Deinem Bestand auch veroptionieren, also calls darauf verkaufen. Ich bin jetzt nicht der Optionen-Fanboy, der damit einen deutlich höhere Rendite erwartet. Aber konservativ eingesetzt, kannst du damit deine schwankungsanfalligkeit reduzieren. Gerade wenn der Markt aus deiner Sicht heiß gelaufen ist, verkaufst du calls soweit aus dem Geld, dass die Ausübung recht unwahrscheinlich ist. Generell rechnest du in dieser Phase ja eher mit einem Kursrückgang. Wenn sie doch über den Strike steigen, dann profitiert du vom Anstieg nicht weiter. In allen anderen Fällen erzielt du aber eine -gut planbar! – Zusatzrendite aufgrund der Prämien.
Sollte der Markt eher tief stehen verkaufst du besser keine calls, evtl eher schon puts.

Letztlich gibt es kein (zusätzliches) Verlustrisiko durch covered calls, unter der Voraussetzung, dass man die Aktien eh halten würde.

Vg Marcus

Thorsten
Reply to  Marcus
5 Monate zuvor

Danke Marcus auch für diese Idee!

Ich muss zugeben, dass ich von Optionen einfach keine / zu wenig Ahnung habe, um dieses Vorgehen und die entsprechenden Risiken einschätzen zu können… Hoffe ich finde demnächst mal etwas Zeit dafür. Aktuell findet sich ja immer mal ein “freier” Abend 😉

Marcus
Marcus
Reply to  Georg
5 Monate zuvor

Aber gerade Du hast doch eigentlich alle historischen Daten, die notwendig sind, Georg! 🙂
Mein Vorgehen wäre: aus den Datensätzen des S&P kannst Du auch den Verlauf der Volatilität berechnen. Anschließend kannst du die Optionspreise beispielsweise anhand der Black&Scholes-Formel berechnen. Natürlich sind das nicht die tatsächlichen historischen Kurse, aber es sollte eine “faire” Bewertung sein und nur wenig davon abweichen.
Vorteil ist auch der: Du kannst für jeden Zeitpunkt alle möglichen Optionspreise berechnen, also für jede beliebige Laufzeit und für jeden Strike. Damit kannst Du dann verschiedene Strategien durchspielen (beispielsweise immer eine Laufzeit von 3 Monaten annehmen, einen Strike mit Delta=0,25 oder was auch immer). Du kannst mit Deinen Daten dann ja auch berechnen, wie sich die Optionspreise bis zum Verfall entwickelt haben, und somit die Entwicklung des Portfolios.
Das ist natürlich schon eine große Aufgabe…

Ansonsten: Du hast Recht, ich würde (in diesem Fall) auch nicht unbedingt Puts verkaufen, deshalb hatte ich das ja auch als “evtl.” vermerkt (im Gegensatz zu den Calls).

Und wie gesagt – ich spreche ganz bewusst nicht davon, die Rente aufzubessern. Sondern in erster Linie davon, die Schwankung/Volatilität zu reduzieren. Das wird doch das Sequence of Return – Risiko deutlich mindern, so dass man deshalb deutlich besser planbar entnehmen kann, und letztlich auch effektiver (sprich: so, dass am Ende nicht allzu viel übrig bleibt).
Die Calls kann man ja so defensiv setzen, dass der maximale Gewinn beispielsweise bei 5% p.a. begrenzt ist. Da wird natürlich viele Anstiege nicht voll mitnehmen, dafür ist die Prämie dann schon so groß, dass auch bei Seitwärtsbewegungen diese 5% eingehalten, und die Verluste bei Kursrückgängen entsprechend abgemindert werden.

Ich selbst verwende für meine Optionsgeschäfte (nicht für die Rente) ein Matlab-Script, mit Excel bin ich da nicht besonders bewandert, und müsste erst nachschauen, wie man solche Formeln einbindet.

VG Marcus

Marcus
Marcus
Reply to  Marcus
5 Monate zuvor

Ja sicher, das stimmt natürlich. Deswegen meinte ich ja, es wären nicht die tatsächlichen historischen Kurswerte, sondern nur ein mehr oder weniger gute Näherung. So gesehen wurde auch die Zeitrwihe des risikoloses Zinses nicht, weil es ja weiterhin eine Näherung bleibt.

Ich würde die Optionen auch im Kontext der Portfolio Theorie sehen um das optimale Verhältnis aus Risiko und Rendite zu erhalten.

Nix für ungut, Deine Berechnungen gefallen mir sehr gut, gerade im Vergleich zu dem Zeugs, was ansonsten oft zu dem Thema Finanzen publiziert wird. Aber die 100% Sicherheit für eine Entnahme kann ja niemand berechnen. Deine Tabellen sollten vielleicht – auch um Missverständnisse zu vermeiden – nur bis 99% (bzw 1% Ausfallrisiko) angezeigt werden. Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sich die nächsten X Jahre doch noch schlechter als jeder aufgetreten Verlauf der letzten 100 Jahre entwickeln, irgendwo zwischen 0 und 1% liegt?
Beste Grüße, und mach weiter so 🙂

Tim
Tim
Reply to  Georg
5 Monate zuvor

Das Optionenthema finde ich auch sehr interessant. Statt Cash zu entnehmen, könnte man auf einen Teil seiner Positionen Puts kaufen und Calls verkaufen, sodass die Kosten gedeckt sind. So würde man sicherstellen, dass diese Postionen sich nur in einem bestimmten Korridor bewegen. Ich halte das für sehr sinnvoll, um das Risiko am Anfang der Entnahme zu reduzieren.

Es gibt da nur ein praktisches Problem, wenn man diese Strategie jetzt durchführen wollte: Meines Wissens nach gibt im Moment nur zwei UCITS ETF, auf die man Optionen schreiben kann. Auf den DAX und den EURO STOXX 50. Beide kommen ja eher nicht infrage. Optionen auf andere ETF sind als Privatanleger in D nicht möglich. Vielleicht wären alternativ direkte Indexoptionen auf den S&P Mini an US Börsen. Da das Volumen pro Kontrakt aber sehr groß ist, passten die für mich bisher nicht.

Meine Idee war es, in der Ansparphase statt eines Sparplans Puts auf ETF zu verkaufen, um die ETF bei Kursverlusten eingebucht zu bekommen und zusätzlich Prämien einzunehmen. Ich habe das nicht ganz zu Ende durchdacht, da es wie beschrieben eh nicht möglich ist.

Cepha
Cepha
5 Monate zuvor

Das Problem ist, dass eine Simulation im Nachhinein, die sehr knapp gelaufen ist als erfolgreich gilt. Das mag so sein, aber was macht das mit dem Betroffenen, der den Crash nicht im Nachhinein analysiert, sondern tatsächlich auf Gedeih und Verderben mitten drin steckt?

Nachdem das eigene Depot kollabiert ist weiß der ja nicht, dass es schon morgen wieder die 10jährige Wahnsinns Ralley an der Börsen geben wird, die seine Situation dann entgegen aller Wahrscheinlichkeit wieder ins Positive drehen wird.

Für mich wäre es keine finazielle Freiheit, wenn der Strick schon an der Decke festgeknotet ist und man jeden Tag mit zittrigen Fingern ins Depot schauen muss.

Marcus
Marcus
Reply to  Cepha
5 Monate zuvor

Zumal auch Georgs Simulation dann eine höhere Ausfallwahrscheinlichkeit angeben wird, weil ja die Anfangsbedingungen schlechter geworden sind. Zumindest wenn diese schlechten Jahre noch schlechter als die im historischen Zeitraum vorhandenen Zeiträume sind. Und weil dieser neue Crash in der neuen simulation in der Datenbasis enthalten sein wird…
Aber wie schon oben erwähnt, eine wirkliche 100% Sicherheit gibt es nicht, von daher kann das keine simulation leisten.

Jenni
5 Monate zuvor

Ich habe absolut keine Idee, wie ich jetzt, nach mehr als 10 Jahren an der Börse, noch nachvollziehen kann, wie viel Geld in meinem Depot eingezahlt vs. Kwas Kursgewinn ist. Ist es tatsächlich so einfach, dass man nur alle Einstiegskurse aller Positionen zusammenrechnen muss? Oder ist das zu einfach gedacht? Immerhin habe ich sowohl die Investmentsteuerreform 2009 als auch die 2019 mitgemacht. Da wurde doch 2020 ein fiktiver Veräußerungsertrag errechnet…ist der hier relevant? Ich finde diese Steuerdinge einfach furchtbar kompliziert!
Weiß jemand weiter? 🙂
Vielen Dank und viele Grüße
Jenni

Jenni
Reply to  Georg
4 Monate zuvor

Hi Georg,
ich habe mich für meinen gestrigen Artikel noch einmal mit dem Gewinnanteil im Depot beschäftigt. Mit meinen begrenzten Simulationsmöglichkeiten scheint es mir aber so, dass diese Zahl doch einen größeren Einfluss auf die (steuerliche, GKV) Entnahmesituation hat als ich ursprünglich dachte. Daher würde ich mich ganz eigennützig freuen, wenn du dir diesen Parameter und den Zusammenhang mit der nominellen Rendite (und vielleicht auch der realen Rendite/Inflation) genauer anschauen könntest in einem zukünftigen Artikel.
Mein begrenztes Verständnis ist aktuell: je höher die nominelle Rendite, desto höher der Gewinnanteil, desto höher die Steuerbelastung in der Entnahmephase. Das ist (so mein aktuelles Verständnis) kein wirklich großes Problem, wenn reale Rendite und nominelle Rendite sich ungefähr gleich entwickeln. Aber wenn nicht? So 100% habe ich es noch nicht durchdacht…
Viele Grüße
Jenni

Jenni
Reply to  Georg
4 Monate zuvor

Ah, interessant, wie du hier denkst. Bin mir allerdings nicht sicher, ob die Annahme, dass sich die Steuergrenzen ähnlich wie in der Vergangenheit an die Inflation anpassen werden (also nicht immer genau zeitgleich, aber doch mit etwas Nachlauf), so haltbar ist. Gefühlt ist die kalte Progression doch der beste und geräuschloseste Weg für den Staat, mehr Geld einzunehmen – ob das nicht in Zukunft stärker ausgenutzt wird? 🤔 Schwieriges Thema! Der Freibetrag für Kapitalerträge ist ja z.B. noch nie erhöht worden.

Andrea
Andrea
5 Monate zuvor

ich würde dass ja gern mal für mich durchrechnen… gibt es so ein Simulationsmodell irgendwo fertig oder muss sich das jeder selber stricken?

Niklas
Niklas
Reply to  Georg
4 Monate zuvor

Wieso kommt es in Tabelle 1 (mit weiteren Einzahlungen) von Feb. 23 auf Feb. 24 zu dem Sprung von +700€ (Cape >33, 0% Risk)?

Davor ist es linear, genau wie im gesamten Verlauf der nachfolgenden Tabelle ohne weitere Einzahlungen.

Thomas
Thomas
2 Monate zuvor

Hallo Georg,
simulierst Du die Ansparphase auch mit den historischen Renditen oder nur die Entnahmephase?
Danke, Gruß
Thomas

Thomas
Thomas
1 Monat zuvor

Hm, habe mal das Mad-Szenario mal “nachsimuliert”:

Direkter Einstieg in die Entnahmephase ohne zusätzliche RP und Einzahlungen.
Die berechnete Entnahme Zeile 1 / Spalte 1 von Netto 1564€ resultiert aus dem schlechtesten Fall:
Beginn der Entnahme: 09/1929 (Weltwirtschaftkrise). Rente/Zufluss spielt anschließend keine Rolle mehr, da die minimale Entnahme durch die 1. Entnahmephase vor der Rente/Zufluss (500 T€) resultiert – sieht man sehr schön in deinem Zeitverlauf. Dort bekomme ich aber eine Entnahme von 1680€ raus.

Kannst Du mir Deinen simulierten Verlauf der ersten 20 Jahre (Startdatum 09/1929) zukommen lassen, damit ich es mit meinem Zeitverlauf vergleichen kann?

Startwerte, Gewinnanteil incl. Verlusttopf und Depotkosten sind in meinen Berechnungen so übernommen worden.Steuer berücksichtige ich mit 25% – dies hat jedoch keinen Einfluss, da in dem betrachteten Szenario Verluste resultieren.

Danke, Gruß
Thomas

Last edited 1 Monat zuvor by Thomas
Thomas
Thomas
Reply to  Georg
1 Monat zuvor

Habe ebenfalls zu Beginn des Monats die Entnahme.
Weitere Einflussgrößen wie Depotkosten: Mtl./Jährlich, Entnahme am Ende des Monates haben nur einen geringen Einfluss auf die Entnahme (<5€). Hierdurch lässt dich der Unterschied von ~100€ aus meiner Sicht nicht erklären.

Thomas
Thomas
Reply to  Georg
1 Monat zuvor

Hier meine Berechnungen als Excel Sheet extrahiert:
https://www.transfernow.net/dl/20210603GIfE0GHc

Das Worst Case Szenario wurde anhand von 1440 möglichen Epochen ermittelt (Zeitraum: 01/1900 – 12/2019) –> Weltwirtschaftkrise 09/1929
In dem Zeitraum 09/1929 – 08/1949 resultiert meine max. Entnahme von 1677€.

Last edited 1 Monat zuvor by Thomas
Thomas
Thomas
Reply to  Georg
1 Monat zuvor

Ja, das ist des Rätsels Lösung. Ich habe mir die jetzt die S&P 500 Datenreihen von https://earlyretirementnow.com/ runtergeladen. Damit komme ich auf nahzu die gleichen Ergebnisse wie Du in deinen Analysen.
Danke, Gruß
Thomas