Corona Virus – nur eine Korrektur oder der Anfang eines Bärenmarktes?

Corona Virus – nur eine Korrektur oder der Anfang eines Bärenmarktes?
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Seit einigen Tagen brechen die Börsen weltweit massiv ein. In einer solchen Situation fragen sich die Marktteilnehmer wie weit die Kurse fallen werden und wie lange der Einbruch andauern wird. In Abhängigkeit von der Stärke des Einbruchs wird dieser unterschiedlich bezeichnet. Von einer Korrektur spricht man immer dann, wenn die Kurse um mindestens 10% zurückgegangen sind. Beträgt der Kursrückgang sogar mehr als 20%, befinden wir uns in einem Bärenmarkt. Per heute sind die Weltbörsen gute 10% zurückgegangen, so dass es angemessen ist, von einer Korrektur zu sprechen.

Aus heutiger Sicht kann natürlich niemand wissen, wie der weitere Kurs-Verlauf aussehen wird. Rein statistisch münden ca. 56% aller Korrekturen in einem Bärenmarkt. In diesem Artikel werden wir untersuchen wie sich Korrekturen und Bärenmärkte in der Vergangenheit entwickelt haben. Ziel ist, die eigenen Erwartungen besser managen zu können und so einen klaren Kopf zu bewahren. Denn eines kann man aus meiner Sicht heute doch schon sagen: in einigen Jahrzehnten wird die Corona-Krise, wie bisher jede andere Krise auch, in der Rückschau eine kaum sichtbare Spur im Kurs-Chart hinterlassen.

Betrachten wir zunächst das Phänomen der Korrektur

In den letzten 120 Jahren kam es insgesamt 23 Mal zu Kursrückgängen von mehr als 10%. 13 Mal weitete die Korrektur sich sogar zu einem Bärenmarkt aus. Zehn Mal blieb es „nur“ bei einer Korrektur. Die folgende Tabelle stellt diese 10 Korrekturen und deren Merkmale dar:

In der Vergangenheit kam es ca. alle 12 Jahre zu einer Korrektur. Der durchschnittliche Kursrückgang bei einer Korrektur lag bei 14,3%. Sollte es sich bei dem aktuellen Kursrückgang nur um eine Korrektur handeln, dann liegt das Schlimmste heute bereits hinter uns. Die letzte Korrektur liegt  noch gar nicht mal so lange zurück, denn sie hat erst vor weniger als einem Jahr ihr Ende gefunden. Ab November 2018 gingen die Kurse (S&P 500 TR Index) innerhalb von 3 Monaten um 13,5% zurück. Anschließend hat es weitere 3 Monate bis zum April 2019 gedauert, bis das alte Niveau wieder erreicht war. Damit hat es sich um eine relativ kurz andauernde Korrektur gehandelt, denn die durchschnittliche Korrektur dauerte insgesamt 12 Monate. Das Tief war dabei nach ca. 7,5 Monaten erreicht, die anschließende Erholung benötigte dagegen im Schnitt nur noch 4,5 Monate.

 

Mehr als jede zweite Korrektur mündet letztendlich in einem Bärenmarkt

Auch wenn man aktuell nur hoffen kann, dass es bei einer Korrektur bleibt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese anfängliche Korrektur sich letztendlich zu einem Bärenmarkt entwickelt, recht hoch. Denn echte Bärenmärkte treten häufiger auf als nur leichte Korrekturen. Die nächste Tabelle verschafft einen Überblick über die insgesamt 13 Bärenmärkte der letzten 120 Jahre:

Im Vergleich zu der Korrektur fallen die extremeren Ausprägungen der Bärenmärkte sofort auf. Der durchschnittliche maximale Verlust liegt bei einem Bärenmarkt bei -33,9%. Dieser ist nach ca. 17 Monaten erreicht. Anschließend dauert es weitere 28 Monate bis die alten Stände zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Krise wieder zurückerobert sind. Was ich dabei besonders interessant finde ist die Korrelation der einzelnen Parameter zu der Marktbewertung bei Ausbruch der Krise. Je höher der Markt bewertet ist, desto heftiger der Kurssturz und die Dauer des Bärenmarktes. Vor diesem Hintergrund wäre in 2020 rein statistisch betrachtet, aufgrund der hohen Marktbewertung bis zuletzt Mitte Februar, mit einer überdurchschnittlich stark ausgeprägten Krise zu rechnen, sollte sich tatsächlich ein Bärenmarkt einstellen. Hoffen wir also, dass es nur bei einer Korrektur bleibt. Denn hier war es genau umgekehrt der Fall: je höher die Bewertung, desto kürzer die Dauer der Korrektur. Bei Korrekturen scheint darüber hinaus auch kein signifikanter Zusammenhang zwischen der aktuellen Marktbewertung und dem Ausmaß der Korrektur zu bestehen (die Korrelation maximaler Verlust zu CAPE Ratio ist ca. 0, siehe Tabelle „Korrekturen“ oben).

Da aus heutiger Sicht unklar ist, wie sich die Märkte in den kommenden Monaten entwickeln und wir nicht wissen ob die gegenwärtige Krise am Ende als Korrektur oder Bärenmarkt zu bezeichnen sein wird, ist es ex-ante für das eigene Erwartungsmanagement am sinnvollsten, die kombinierte Tabelle zu betrachten:

Die folgende Grafik stellt die 23 Korrekturen bzw. Bärenmärkte vor dem Hintergrund des Kursverlaufs dar.

Selbst die Mutter aller Krisen, die Weltwirtschaftskrise ab 1929 mit ca. 84% Verlust in der Spitze, ist aus heutiger Sicht nicht mehr auszumachen. Man muss schon eine logarithmische Skalierung wählen, um diese noch gut zu erkennen.

Und genauso wird es auch mit der aktuellen Krise sein, egal wie lange und schwer diese ausfallen wird.

Meine persönliche Meinung zur aktuellen Marktlage:

Jeder Kurseinbruch geht nur zum Teil auf gerechtfertigte Preisanpassungen zurück. Dazu kommen die üblichen Übertreibungseffekte, begründet durch panikartige Verkäufe. Die mit dem Corona-Virus verbundene Vorsicht führt natürlich zu einem Rückgang der Produktion und des Konsums. Meiner Meinung nach sollte man aber zwischen Dienstleistungen und Gütern unterscheiden.

Vorgestern war ich z.B. beim Friseur in der Frankfurter Innenstadt und war der einzige Kunde. Mein Friseur erklärte mir, dass aktuell viele Kunden ihre Termine absagen, weil sie die Frankfurter Innenstadt meiden möchten. Auch die Züge, mit denen die Menschen morgens zur Arbeit fahren, sind laut Aussage meiner Kollegen deutlich leerer. Die Gewinne, die dadurch ausbleiben, dass die Menschen weniger Dienstleistungen in Anspruch nehmen, sind dauerhaft verloren und führen zu gerechtfertigten Preisanpassung.

Gestern habe ich aber z.B. auch irgendwo gelesen, dass der Tesla-Absatz in China in den letzten Wochen um ca. 50% eingebrochen ist. Darauf gebe ich erst mal nichts, denn hier gehe ich zu einem ganz großen Teil von aufgeschobenen Konsumausgaben aus. D.h. ich erwarte, dass diese geplanten Anschaffungen im Gegensatz zu den Dienstleistungen nicht für immer verloren sind, sondern mit zeitlicher Verzögerung nachgeholt werden. Dies setzt aber voraus, dass die Corona-Krise nicht zu einer nachhaltigen Reduktion der Nachfrage führt. Auslöser dafür könnten z.B. Entlassungen im großen Stil sein, wenn die Produktion nicht schnell wieder anläuft. Mögliche Gegenmaßnahmen wie eine geldpolitische Intervention oder eine expansive Fiskalpolitik, werden bereits von Industrieverbänden gefordert.

Was mich beeindruckt ist die Geschwindigkeit der Korrektur. Aber auch hier sehe ich noch keinen Grund zur Sorge. Denn der Markt war schon lange sehr hoch bewertet und nicht wenige Marktteilnehmer erwarten schon länger eine Korrektur. Das Sentiment begünstigt also einen stärkeren Einbruch.

Zu guter Letzt noch ein Trost für alle angehenden Privatiers

Wer aktuell plant demnächst in Rente zu gehen, dem empfehle ich an dieser Stelle meinen Artikel zum Thema Entnahmestrategie in Abhängigkeit vom Bewertungsniveau. Bei einem 10%-igen Rückgang der Börsenkurse sinkt auch das CAPE Ratio um 10%. Ein Markt, der mit 25 bewertet war, hat jetzt nur noch ein CAPE von 22,5. Dementsprechend steigt die sichere Entnahmerate von 3,2% auf 3,37%. Der Entnahmebetrag sinkt also nur um 5,1%, obwohl das Vermögen um 10% geschrumpft ist.

Was ist Deine Meinung zum aktuellen Marktgeschehen? Übertriebene Panik oder kommt jetzt das ganz dicke Ding?

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DividendenSparer
8 Monate zuvor

Der Rückblick, auf ähnliche Korrekturen in der Vergangenheit, kann einem zwar Anhaltspunkte geben, wie die weitere Entwicklung an den Börsen verlaufen könnte, eine Prognose ist aber dennoch schwierig. Es gibt noch zu viele unbekannte Faktoren.
Derzeit ist es ja schon so, dass Großveranstaltungen abgesagt werden, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Wie werden beispielsweise die US-Börsen reagieren, wenn sich in den USA die ersten mit COVID-19 infizieren? Die gesundheitlichen Folgen sind ja eigentlich überschaubar und mit einer normalen Grippe vergleichbar, doch die drastischen Maßnahmen, um die weitere Ausbreitung zu verhindern, können die Wirtschaft tatsächlich erheblich einbremsen.
Für mich sieht es momentan so aus, als stünden wir da erst am Anfang. Entweder beruhigen sich die Gemüter allmählich, weil man das Wort Coronavirus bald nicht mehr hören kann oder es wird ein wirksamer Impfstoff gefunden und das Thema ist somit abgehakt. Bis dahin bleibt die Unsicherheit. Und die Börsen mögen Unsicherheit ganz und gar nicht.
Ich kaufe in der Zwischenzeit weiter Aktien, wie immer.

Viele Grüße
Mike

RoMario
RoMario
8 Monate zuvor

Hi Georg,
wie immer ein aufschlussreicher Artikel. Vielen Dank dafür!
Mal sehen wie sich Corona entwickelt und wie es an den Börsen verarbeitet wird. Ich warte in jedem Fall nicht auf einen massiven Crash als Kaufsignal, sondern werde/würde zusätzlich zu den normalen Sparplänen in Intervallen nachkaufen. Deine Zahlen sind hierbei ein gute Hilfe. Am gestrigen Freitag habe ich beispielsweise mit 10%igem Rabatt nachgekauft.

Viele Grüße
Mario

Gambler
Gambler
7 Monate zuvor

Hallo Georg,

ich denke die aktuelle Lage wurde von DividendenSparer schon gut zusammengefasst. Es ist natürlich eine reine Spekulation, den weiteren Verlauf der Pandemie und den resultierenden Einfluss auf die Kurse vorherzusagen. Ich erlaube mir in solchen Situationen immer den Versuch von Marktet Timing unter strengen Grenzen. D.h. ich setze mir ein enges Zeitfenster (bsp. 2 Wochen), wo ich nachkaufen will, aber lasse dann mein Bauchgefühl über den konkreten Zeitpunkt entscheiden. Ich bin mir bewusst, dass ich höchstwahrscheinlich dadurch monetär keinen Vorteil habe (EV=0). Von der Psyche her, habe ich doch ein gewissen „Trieb“ für Zockerei an der Börse, diesen kann ich dadurch befriedigen ohne Schäden an meinem Depot zu hinterlassen, wie beim rein-raus Marktet-Timing 🙂
Persönliche Prognose: In den nächsten 2 Wochen kommt ein massiver Ausbruch in den USA hinzu, in Dtl. knacken wir die 1000 Infizierten-Grenze und das Welttportfolio rauscht nochmal 10% ab.

Cheers

Felix

WurstHorst
WurstHorst
Reply to  Gambler
7 Monate zuvor

Deine Prognose ist gar nicht so schlecht gewesen.

Auch ich habe meinem „Trieb“ etwas zu zocken nachgegeben und bin heute Vormittag auf den „Öl-Zug“ aufgesprungen (A113FF). Mal sehen was das wird ;o)

Ansonsten laufen meine „langweiligen“ Sparpläne stumpf weiter.

PS: Das ist meine erste Krise bzw. die Korrektur von Ende 2018 habe ich schon verdrängt und fühle mich dank solch fundierter Artikel wie deinen Georg und anderer Finanzblogger entspannt. Ohne die wäre ich vielleicht auch schon in Panik verfallen.

Viele Grüße
WurstHorst

WurstHorst
WurstHorst
Reply to  Georg
7 Monate zuvor

Hey Georg,
das kam vielleicht falsch rüber. Meine Aussage „Deine Prognose ist gar nicht so schlecht gewesen.“ war an Gamblers Prognose gerichtet („In den nächsten 2 Wochen kommt ein massiver Ausbruch in den USA hinzu, in Dtl. knacken wir die 1000 Infizierten-Grenze und das Welttportfolio rauscht nochmal 10% ab.“)

Für dich war das Lob, dass ich ohne solch fundierte Artikel wie diesem hier in der aktuellen Situation wahrscheinlich nicht so cool bleiben würde ;o)

Viele Grüße
WurstHorst

Tobi
Tobi
7 Monate zuvor

Der Buy and Holder sitzt es einfach aus. Die, die jetzt schon raus sind sollten überlegen ob sie Börse nicht doch lieber sein lassen. Klar kann sich die Krise noch verschärfen, klar kann noch Katastrophe kommen aber es wird immer irgendwie weiter und vor allem irgendwann wieder aufwärts gehen. Wer daran nicht glaubt, kauft sich am besten Land und wird zum Selbstversorger.

wendtar
wendtar
7 Monate zuvor

Hier ein (ansonsten) stiller Leser. Ich nehme diesen Beitrag aber mal für ein Lob zur Anregung. Vielen Dank für deine fundierten Posts, auch zu aktuellem Geschehen! Gefällt mir sehr gut.

Viele Grüße

trackback
7 Monate zuvor

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